Claudia Hempel  
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Wenn Kinder rechtsextrem werden
Mütter erzählen
Sachbuch
Autorin: Claudia Hempel
 
Info des Verlages

MDR Figaro (MP3, 4MB)
 
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Sie sitzen im Wohnzimmer – vor ihnen liegen die Fotos ihrer Kinder: Babys, Kleinkinder, Schulkinder mit offenen, lebendigen Gesichtern und großen Augen, die mit Neugier in die Welt hinaus blicken.
Heute aber sind aus den niedlichen Kleinen plötzlich Nazis geworden. Brutale Schläger mit Glatze und Bomberjacke oder auch Intellektuelle der neuen braunen Elite.
Hilflos erzählen die Mütter ihre Geschichte, die von durchweinten Nächten, handfesten Auseinandersetzungen, Versagensängsten und Schuldgefühlen handelt. In manchen Details ähneln sich die Erlebnisse auf geradezu bedrückende Art, denn erst das kollektive Schweigen oder Verdrängen von Jugendamt, Schule oder Nachbarn bietet diesen Jugendlichen die Plattform für ihre anfangs unbeholfenen, später stark verfestigten Ansichten eines rechtsextremen Weltbildes.
So setzt sich aus den verschiedenen Interviews ein multiples Gefüge zusammen, das zumindest einen Schluss deutlich zulässt: Rechtsextremismus ist möglich, weil Zivilgesellschaft versagt.
Von den Direktoren der Schulen werden die Mütter mit der Begründung abgewiesen, es gäbe hier kein rechtsextremes Problem. Die Lehrer/innen zucken die Schultern und meinen, sie hätten zwar einen Bildungs- aber keinen Erziehungsauftrag. Die Nachbarn schauen weg, wenn die Jugendlichen der Eigenheimsiedlung plötzlich mit Springerstiefeln und Reichskriegsflagge in die Schule gehen. Das Jugendamt macht die Mütter selbst verantwortlich, denn wer sich scheiden lasse, brauche sich ja nicht wundern, wenn das Kind plötzlich rechtsextrem wird - und in der Sozialbetreuung hören die Eltern, dass in einer Demokratie alles erlaubt sei, von extrem links bis eben zu extrem rechts und man solle das halbwüchsige Kind nicht so bevormunden.